ICH KANN

von Marion Schilcher 

 

 

mich jeden Tag neu erfinden.

Ich muss nicht. Ich will.
Ich will mich jeden Tag neu erfinden. Das ist es, was mir Freude macht.
Und warum sollte ich es nicht tun?

Ich brauche keine Erlaubnis von irgendjemand, das zu tun.
Es ist das, was mir Freude macht, denn ich sehe es so:

Jeder einzelne Tag ist wie ein ganzes Leben.
Er startet mit dem Aufwachen am Morgen, was man mit einer Geburt vergleichen kann. Jeder Morgen ist so frisch und neu, so jungfräulich wie ein unbeschriebenes Blatt. Und so neugierig, vertrauensvoll und voller Energie wie ein Neugeborenes.

Wenn ich früh morgens spazieren gehe, spüre ich die kühle, frische Luft, unverbraucht von negativen Schwingungen, von Abgasen usw. Einfach frisch, neu und jung. Das ist nur morgens so.

Am Abend, wenn ich einschlafe, ist es ja immer wie ein kleiner Tod. Man wird bewusstlos. Man könnte auch sagen: man lässt bewusst los.

Wenn man Glück hat, träumt man was Schönes. Wenn man Glück hat, kann man sich am Morgen daran erinnern und nochmal daran erfreuen. Oder wenn man sich den schönen Traum gleich nachts aufschreibt, weil man davon wach geworden ist.

So ist doch auch das ganze Leben: ein Bogen. Werden und Vergehen und dazwischen findet das Leben statt.

In der Mitte des Tages – oder des Lebens – gibt es diesen Höhepunkt, den man jeden Tag feiern kann. Ich meine jetzt mit Feiern nicht, jeden Tag ein großes Fest veranstalten – obwohl für mich jeder Tag grundsätzlich ein Fest ist – ich meine ein kleines Innehalten, ein besonderer Augenblick, den man bewusst geniest. Das muss auch nicht Punkt 12 sein, einfach zwischen Morgen und Abend.

Und so gestalte ich meine Tage schon seit vielen Jahren und so taugt mir das.

Und du?
Du kannst das auch.
Du musst nicht. Du kannst, wenn Du magst.
Spür mal hin.

Natürlich hat dieses sich immer wieder neu erfinden auch mit meinen Anlagen zu tun, den Talenten, die mir in die Wiege gelegt wurden. Als Wassermann-Frau bin ich in der Faschingszeit geboren, da liegt verkleiden, verwandeln, sich ausprobieren, ein bisschen ver-rückt sein im Blut. Wenn ich eine Erklärung bräuchte, dass ich bin, wie ich bin – das wäre eine von vielen möglichen.