PERFEKTIONISMUS ADE 

von Marion Schilcher

Ja, er darf endlich komplett aus meinem Leben verschwinden: der Perfektionismus.

Es war mir früher sehr wichtig, alles perfekt zu machen. 

Das war anstrengend, aber irgendwie auch befriedigend oder besser zufriedenstellend.

Ich habe lange gedacht, dass ich immer für alles die perfekten Voraussetzungen brauche.

Eine Staffelei, um zu malen.

Tausend Küchengeräte, um eine perfekte Mahlzeit zu kreieren.
Das richtige Geschirr für das richtige Menü.
Heute finde ich es sehr entspannend auch mal Pizza aus dem Karton zu essen. Nicht oft, zugegeben, aber manchmal.

Die richtigen Schuhe zum Outfit sowieso. Ich kann mich noch gut erinnern, dass ich eine ganze Woche brauchte, um das „einzig richtige“ Paar Schuhe zu einem bestimmten Kleid zu finden. Und das ist nicht nur einmal passiert. Heute unvorstellbar für mich.

Als mich Andrea gefragt hat, ob ich ihre Geschichte aufschreiben könnte, habe ich nur aus dem Gefühl heraus „ja“ gesagt – und zwar ohne über Wenn’s und Aber’s nachzudenken. 

Nein, es gab keinerlei Fragen. Ich wollte es einfach machen. Keine Minute habe ich gedacht, das kann ich nicht. 

Normalerweise wären diese Wenn’s und Aber’s gewesen: ich habe keinen Hochleistungs-PC, keinen ergonomischen Schreibtischstuhl, wir haben keinen Verleger, wie soll denn das Buch in die Welt kommen? 

Heute weiß ich, dass man auch mit einem ganz normalen PC, einem ganz normalen Stuhl an einem ganz normalen Tisch ein Buch schreiben kann. Die meisten Texte habe ich dann in diesem heißen Sommer sowieso morgens von fünf bis neun am Gartentisch geschrieben. Das geht. 

Etwas, was früher essentiell war: wie soll ich die richtigen Worte finden, damit mich jeder versteht, hat sich heute verwandelt in: meine Worte kann nicht jeder verstehen, jeder lebt in seiner eigenen Welt, jeder lebt in seinem eigenen Film und hat sein eigenes Wortuniversum. Ich habe einfach geschrieben, mit dem Vertrauen, dass ich verstanden werde. Dann war alles leicht. 

Heute weiß ich, das ist der Antrieb, die Motivation, die es braucht. Es einfach wollen. Wissen, dass es das ist, was man tun möchte. Und es dann einfach zu machen. Ins kalte Wasser springen, den ersten Schritt wagen. 

Inzwischen habe ich mich erinnert, dass ich schon oft in meinem Leben ins kalte Wasser gesprungen bin. Und es war immer richtig es zu tun. Eine gute Erkenntnis und Basis für die Dinge, die da noch kommen werden. 

Die bewältigt werden wollen auch ohne die optimale materielle Ausrüstung. Wichtig ist, dass die Gedanken und Gefühle, die im mir sind, die raus wollen, seien es Buchstaben oder Bilder, ans Licht der Welt kommen.